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Ohne Frieden ist alles nichts. Ein Frieden durch Krieg auch nicht. Von Bärbel Danneberg

Zwei Jahre vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs geboren, wird mir das Glück bewusst, in der längsten Friedensperiode der Nachkriegszeit gelebt zu haben. Kriege rundum, ja sicher, überall, aber doch nicht hier bei uns! Und nun – die Morgennachrichten an diesem 24. Februar 2022 springen wie eine Kompassnadel in mir an: Russland hat die Ukraine militärisch angegriffen. Das ist der zweite Krieg auf europäischem Boden nach 1945. Manche fragen, ob es ein Dritter Weltkrieg werden wird. Angst. Russland hat Atomwaffen. Putin ist unberechenbar. Ebenso wenig vertraue ich dem Schulterschluss des kapitalistischen Westens mit den Embargos und Sanktionen und den zwischen Ost und West stationierten NATO-Raketen. Ein neuer Kalter Krieg und eine neue Runde des Wettrüstens beginnt.

Der erste Krieg auf europäischem Boden nach 1945 begann 1991 im ehemaligen Jugoslawien. Diese Fernsehbilder sind bei mir eingebrannt: der Flüchtlingsstrom über die bosnischen Berge, alte Frauen, die schwere Rucksäcke schleppen, Mütter mit ihren Säuglingen am Körper, Enkelkinder, die ihre alten Großeltern über die Berge in Sicherheit bringen wollen. Der Krieg mit mehr als 200.000 Toten, mit mehreren Millionen Geflüchteten und Vertriebenen hat nach zehn Jahren geschürter Feindschaft zwischen den ethnischen Gruppen traurige Geschichte in diesem bei uns so beliebten Urlaubsland geschrieben. Seine Folgen reichen in die Gegenwart.

Und jetzt das gleiche Bild aus der Ukraine: die größte Fluchtbewegung in Europa seit 1945.

Flucht bewegt

»Kein Blut für Öl«, hatte sich die Friedensbewegung in Österreich beim ersten Golfkrieg empört. Um die Durchfahrt von österreichischen Bergepanzern aus dem neutralen Österreich ins Kriegsgebiet zu verhindern, legten sich Friedensaktivist* innen auf die Schienen. Krieg ist uns wesensfremd, dachte ich, und vergaß dabei die Geschichte unserer Väter, Großväter, Urgroßväter. Kriege gehören ins Museum, wirbt das Militärhistorische Museum. Ich habe einen Krieg, meine ersten zwei Lebensjahre ausgenommen, noch nie am eigenen Leib erlebt. Doch noch heute versetzen mich Sirenen wie die mittäglichen in Niederösterreich innerlich in Aufruhr, noch heute habe ich die Bilder vom Bombenschutt meiner ersten Lebensjahre im Kopf und ich kann Hunger erinnern.

Kein Blut für Gas, sage ich heute. Der moralische Kompass, dass nichts einen Krieg rechtfertigt, den Unschuldige ökonomisch und mit dem Leben bezahlen müssen, gilt für mich damals wie heute. Als 2015 spontan eine Welle der Solidarität für jene Menschen entstand, die aus ihren Kriegsgebieten im Irak, in Syrien, aus Afghanistan, aus einem Land Afrikas oder aus den kurdischen Gebieten flüchten mussten, war ich stolz auf die Menschen in Österreich. Offene Arme – wie auch damals

nach dem Putsch in Chile! Angela Merkels »Wir schaffen das« hat mich überzeugt vom guten Willen auch jener, die politisch woanders als ich stehen und die »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst« als christlichen Wert ernst nahmen. Das Bild von dem kleinen Buben in Turnschuhen, der im Mittelmeer auf der Flucht ertrunken ist, hat die Welt bewegt.

Wann war der Kipppunkt, dass Hilfsbereitschaft in Hass umschlug? Waren es die Silvester-Ereignisse 2015 in Köln? Die Kürzungen im Sozialbereich? Die sich häufenden Medienkampagnen von angeblichen »Sozialschmarotzern«? War es die neoliberale Umgestaltung der Wirtschaft oder die Veränderung der politischen Landschaft durch Regierungsbeteiligungen von Rechts-extremen in europäischen Parlamenten, die als Brandbeschleuniger für Fremdenfeindlichkeit wirkten? Das Ensemble gesellschaftlicher Verhältnisse hat auch die türkis-blaue und danach die schwarz-grüne Koalition und deren ÖVP-Innenminister, der heute Bundeskanzler ist, nicht davon abgehalten, Flüchtende durch Push-backs wieder zurück ins Mittelmeer zu treiben und die Schengen-Außengrenze als Todesgrenze zu akzeptieren.

Was bewegt die Welt?

Der größten Fluchtbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg wird gegenwärtig mit Solidarität und Eigeninitiative begegnet. Eine Freundin richtet gerade eine Unterkunft her für Vertriebene aus Minsk, meine Enkelkinder überlegen, wie wir in unserer Wohnung zusammenrücken können, Handy hotlines dirigieren Hilfsgüter. Und selbst Länder wie Polen mit eineinhalb Millionen geflüchteter Menschen oder Ungarn und andere ehemalige »Ostländer«, die sich bisher der Aufnahme von Migrant*innen versperrt haben, haben jetzt ihre Grenzen geöffnet. Auch Österreich vollbringt bislang Ungeahntes, etwas, worum Hilfsorganisationen bisher vergeblich gekämpft haben: »Temporärer Schutz« wird den aus der Ukraine Geflüchteten gewährt. Sie werden nicht abgeschoben und können ohne aufwändige Formalitäten hier arbeiten. Ob das für alle Geflüchteten gilt? Diese Frage hat ÖVP-Integrationsministerin Raab bisher nicht beantwortet.

Ist mit der russischen Invasion ein neues Verständnis von der Unteilbarkeit der Menschenrechte entstanden? Hat sich die Gesellschaft nach der Spaltung durch Pandemie, Lockdowns oder Impfpflicht einer neuen Menschlichkeit besonnen? »Krieg ist Krieg und Mensch ist Mensch« war der Slogan auf der Demonstration am 13. März in Wien. Ich wünschte, dass eine neue Ära des Miteinanders begonnen hat.

Meine Skepsis aber ist groß. Welcher Kipppunkt für eine Schubumkehr der Hilfsbereitschaft könnte es diesmal sein? Die soziale Not steigt parallel zu den Preis erhöhungen. Aufrüstung, Embargos, Mangel an Rohstoffen, Energieknappheit oder Umweltsünden durch »sauberen Atomstrom« werden vom Großteil der Bevölkerung bezahlt, während die Profite der Waffen- und Rüstungsindustrie ebenso unangetastet bleiben wie die Gewinne aus Wäh-rungsspekulationen. Der Krieg wird den Reichtum eines kleinen Teils der Menschheit weiter vermehren und die Armut für den größeren Teil steigern. Ist das, was wir gerade erleben, die zweite Seite einer gleichen Medaille? Ist die Logik von russischen Oligarchen und kapitalistischen Offshore-Haien wesensverwandt?

Die Nord-Atlantische Vertragsorganisation NATO, konzipiert als antisowjetisches Kriegs- und Verteidigungsbündnis, hat sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs entgegen den Versprechen zum Vereinigungsvertrag nicht aufgelöst, sondern sie hat sich mit der Osterweiterung raketenbestückt wie eine Fessel um die frühere Sowjetunion gelegt. Das Wettrüsten bis ins Weltall ging ungehindert weiter. »Dass der Westen den konzeptuellen Russen auch nach dem Untergang der Sowjetunion als das dämonisierte Andere zu brauchen scheint, um sich als das Happy End der Geschichte zu glorifizieren, verleitet diese Linke, deren Geschäft eigentlich die Kapita-lismuskritik sein sollte, dazu, eine Bande autokratischer kapitalistischer Banditen in Moskau zu verniedlichen«, schrieb Richard Schuberth bereits vor acht Jahren in der Volksstimme (Nr. 4/2014).

Was wird mit dieser Welt? Ich weiß es nicht. Ich möchte meinen moralischen Kompass nicht verlieren, der mir sagt, dass ohne Frieden alles nichts ist.

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Kommentar von Barbara Steiner

Sanktionen müssen die Richtigen treffen, schrieb der französische Wirtschaftswissenschafter Thomas Piketty in einem Kommentar schon vor dem Überfall auf die Ukraine. Er weist darauf hin, dass es Oligarch*innen nicht nur in Russland gibt, sondern auch im Westen. Also nicht nur in so genannten Autokratien, sondern auch in Demokratien. Im finanzkapitalistischen Agieren und im Schutz von Kapitalinteressen sind sich diese Systeme sehr ähnlich, was gerne verschleiert wird. Oligarch* innentum, Steuerhinterziehung und Geldwäsche gelten oftmals nur als Phänomene von rückständigen und autoritären Staaten: Ein sehr nützlicher Rassismus.

Enteignet die Oligarchie und nicht das Volk!
Hinter dem Krieg steht das System Putin und nicht nur ein einzelner pathologisch, psychopathischer Führer. Wer profitierte in Russland am meisten vom radikalen Konservatismus der letzten 20 Jahre? Die 20.000 reichsten Russ*innen mit einem Vermögen über zehn Millionen Euro. Die Hälfte ihres Vermögens ist in Europa geparkt. Sie – so schlägt Piketty vor – sollten mit 20 Prozent besteuert und der Rest des Vermögens eingefroren werden. Dazu bräuchte es aber eine Transparenz hinsichtlich Vermögen und Wertpapierkäufe. Dies wünschen aber die westlichen Vermögenden und ihre Politiker*innen nicht, da dann ihre Steuerhäfen, Geldwäschen und Vermögenskonstellationen ebenso transparent werden würden.

Westlicher Rassismus
Offenen staatlichen Rassismus sehen wir an den Außengrenzen der EU. Das EU-Grenzre¬gime behandelt Geflüchtete mit zweierlei Maß. Ukrainische Staatsbürger*innen sind willkommen – die Frage ist, für wie lange und ob ihnen tatsächlich ein Leben in Würde ermöglicht werden wird oder ob sie zu ausbeutbaren Arbeitssklaven gemacht werden. Geflüchtete aus dem Jemen, Syrien, Irak und Afghanistan hingegen sind nicht willkommen. Sie leiden unter der Gewalt der Grenzpolizei, hungern, frieren, sterben an der belarussischen und bosnischen Grenze und ertrinken im Mittelmeer und werden illegal zurückgeschoben (Push-Backs). Von großer Dringlichkeit ist zudem, Desertion auf beiden Seiten als Fluchtgrund anzuerkennen. Heldenhaft sind diejenigen, die sich weigern zur Waffe zu greifen und andere zu töten.

Die Waffen nieder
Aufrüstung und Militarisierung verhindern keinen Krieg. Dies ist eine völlig falsche Reaktion auf die bisherigen Ereignisse. Anstatt unsere Gesellschaften friedensfest zu machen, mit sozialer, ökonomischer und ökologischer Grundsicherung, Bildung, Gesundheit und Kultur für alle, drohen durch erhöhte Militärausgaben Kürzungen und Austerität.

Jede Waffenlieferung verlängert den Krieg, jeder weitere Tag mit Kämpfen erhöht die Opferzahl und die Verluste. Es muss alles getan werden für einen sofortigen Waffenstillstand. Die Lösung wird – tausende Tote früher oder später – am Verhandlungstisch und eine politisch-diplomatische sein müssen.
Notwendig ist eine europäische Sicherheitsarchitektur, einschließlich Russlands. Es braucht eine europäische Friedenskonferenz und ein nuklearwaffenfreies Mitteleuropa und eine globale Abrüstungsoffensive. Und es braucht die Abschaffung des tödlichen Grenzregimes, eine Evakuierung, Familienzusam¬menführung und freie Wahl des Ziellandes, Aufnahme, Absicherung und Integration von Geflüchteten.

Ich möchte auf das Manifest für den Frieden von transform! europe hinweisen, das in verschiedenen Sprachen vorliegt (www.trans¬form-network.net) und eine mögliche Strategie für den Frieden aus linker Perspektive skizziert.

www.transform-network.net

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Was macht ein Lied revolutionär? Ist es der Inhalt, der vielleicht klassenkämpferisch den Kapitalismus anprangert und für eine bessere Welt kämpft? Ist es die Verwendung, wenn ein Lied zum Beispiel oft von sozialen Bewegungen gesungen wurde? Oder ist es vielleicht einfach eine Frage der Interpretation und der Kontextualisierung? Diese Fragen stelle ich mir seit einigen Jahren, seitdem ich regelmäßig als jiddische Revolutionssängerin auf Konzertbühnen und Demopritschen stehe. Tatsächlich gibt es auf diese Frage keine einfache Antwort: Revolutionär ist nicht unbedingt ein fixes Attribut eines Liedes. Was revolutionär ist für wen, wo und wann ist nun Mal Ansichtssache. Und was den einen als revolutionär gilt, ist für Frauen*, Lesben, Inter-, nicht binäre und Transmenschen (FLINT) eventuell etwas anderes. Von Isabel Frey

Überrepräsentation der Männer

Als ich begann, jiddische Revolutionslieder einzustudieren und zu singen, waren das erstmal Arbeiter*innen- und Widerstandslieder. Angefangen von Mordechai Gebirtigs »Arbetlose Marsch«, über die sozialistischen Kampflieder von David Edelshtat, bis hin zu den Partisanenliedern von Hirsh Glik – alles was kämpferisch, widerständig und jiddisch war, gefiel mir und kam in mein Repertoire. Für mich als säkulare Jüdin, die aber gleichzeitig stark in der aktivistischen Linken politisiert worden ist und dadurch auch eine kleine Iden-titätskrise erlebte, waren diese Lieder ein Anker für ein neues politisch-kulturelles Selbstverständnis: Dass es möglich ist, mich in die lange Tradition der jüdischen Linken einzufügen und sie auch in der heutigen Zeit weiterzutragen.

Doch als überzeugte Feministin stieß ich relativ schnell auf Probleme in meiner Repertoireauswahl: Ich hatte kaum Lieder, die von Frauen* und aus der Perspektive von Frauen* geschrieben worden waren. Die Liste der Komponisten der Arbeiter* innen- und Protestlieder aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war ausschließlich männlich – was natürlich die Überrepräsentation von Männern in der Arbeiter*innenbewegung dieser Zeit widerspiegelt. Wenn dann doch ein Lied dabei war, dass die Beteiligung von Frauen* in der sozialistischen Bewegung thematisierte, war das oft eindeutig aus einer männlichen Perspektive mit etwas bevormundenden Untertönen geschrieben.

Ein Beispiel dafür ist das Lied »Arbeter Froyen«, (Jiddisch für »Arbeiter Frauen«, geschrieben vom ausgewanderten russischstämmigen Anarchisten und Publizisten David Edelshtat, der eine Art Volksdichter für die jiddische Arbeiter*innenbewegung in den USA war. »Arbeiter Frauen, leidende Frauen, Frauen, die in Haus und Fabrik schmachten // Was steht ihr herum, warum helft ihr nicht mit den Tempel von Freiheit und menschlichen Glück aufzu-bauen?«, lauten die ersten Verse des 1891 verfassten Liedes. Was für manche wie eine feministische Hymne der Arbeiter*innen bewegung klingt, klingt für andere eher wie patriarchale Bevormundung und eine Verhöhnung des tatsächlichen Mitwirkens von Frauen* in sozialistischen Kämpfen. Warum sollten Frauen* eine Einladung von Männern brauchen, um sich der Bewegung zu ihrer eigenen Befreiung anzuschließen? Nach heutigen feministischen Standards, wäre Edelsthats Lied wohl des »Man splainings« beschuldigt worden. Trotzdem muss man ihm zugestehen, dass es eines der wenigen Arbeiter*innenlieder aus dieser Zeit ist, die überhaupt die Beteiligung von Frauen* thematisieren.

Zwischen den Zeilen lesen

Zufriedengeben konnte ich mich als Musikerin mit diesen feministischen Bröserln allerdings nicht. Ich musste einen anderen Weg finden, um meinem Repertoire an jiddischen Revolutionsliedern einen feministischen Einschlag zu geben. Zuallererst kam ich drauf, dass doch viel mehr jiddische Lieder von Frauen* geschrieben worden waren, nur die Namen dieser Komponistinnen sind oft nicht bekannt und werden daher als anonym verfasste »Volkslieder« klassifiziert. Doch der Großteil der jiddischen Volkslieder sind Lieder, die in traditionellen Gemeinschaften (wie es kleine jüdische Ortschaften in Osteuropa eher waren) eindeutig der sozialen Sphäre der Frauen* zugeteilt waren: Liebeslieder, Wiegenlieder, Kinderlieder, etc. Auch viele Arbeiter* innenlieder berichten von Missständen in Berufen, die oft von Frauen gemacht wurden, wie zum Beispiel das Lied »Eyder ikh leyg mikh shlofn« (Bevor ich mich schlafen lege), das in erster Person aus der Sicht einer Näherin erzählt. »Zu Gott werde ich weinen, [...] wozu ich als Näherin geboren wurde.« Da es gang und gäbe für viele Arbeiterinnen* war, Lieder während der Arbeit zu singen, ist es auch naheliegend, dass solche Lieder tatsächlich von Frauen* verfasst wurden.

Bei anderen Gattungen von Liedern, die nicht unmittelbar aus sozialen Missständen entspringen, fiel es mir anfangs eher schwer, sie in mein Repertoire aus Revolutionsliedern aufzunehmen. Allerdings merkte ich bald, dass es oft nur eine Frage der Interpretation ist, ob ein Lied sozialkritisch ist oder nicht. Manchmal verlangt es auch ein Lesen zwischen den Zeilen, wie zum Beispiel beim Liebeslied »Di Sapozhkelekh« (Die Stiefel) aus dem Repertoire der ukrainisch-jiddischen Volkssängerin Bronya Sakina stammend und im Klezmer Revival der 1970er Jahre popularisiert. »(Ich würde) die Stiefel verkaufen und auf den Droschken fahren, nur um mit dir zu sein // Ich ohne dich und du ohne mich ist wie eine Klinke ohne eine Tür, mein Kätzchen, mein Vögelchen.« Auf den ersten Blick ist das kein besonders politischer Text. Doch es gehört einem Genre an, dass ich als »sozialkritische Liebeslieder« bezeichne: Liebeslieder, die zwischen den Zeilen auch soziale Missstände beklagen. In diesem Lied geht es um die ganzen prekären kleinen Jobs, die Arbeiter* innen oft machen mussten, um extra Groschen dazuzuverdienen: Stiefel oder Schals verkaufen, Böden waschen, etc. Umgelegt auf die heutige Zeit sage ich immer wieder, dass das Äquivalent so etwas wäre wie »Baby, ich würde für dich Essenszusteller werden, nur um mit dir zu sein.« Die Gig Economy ist eben gar nicht so neu wie sie tut.

Feministische Wiederaneignung

Eine andere Methode, um mein Repertoire an Revolutionsliedern feministisch zu revolutionieren, ist die sogenannte feministische Wiederaneignung. Als ich das jiddische Theaterlied »Ale vayber megn shtimen« (Alle Weiber dürfen wählen) zum ersten Mal auf einer CD in der jüdischen Bibliothek in Montréal hörte, dachte ich, ein feministisches Lied über die Einführung des Frauen-wahlrechts in den USA gefunden zu haben. Doch ich hatte mich zu früh gefreut. Bei meinen weiteren Recherchen fand ich heraus, dass das Lied im Jahr der Einführung des Frauenwahlrechts, 1920, von einem jiddischen Liedermacher und Komödianten namens Rubin Doctor geschrieben worden war, dessen Repertoire hauptsächlich aus frauenfeindlichen Inhalten bestand. So wie heute auch noch einer der beliebtesten patriarchalen Witze in Hollywood die nervige Ehefrau ist, so baute auch Doctor seine Karriere auf solchen Liedern auf. Bei dem Lied »Ale vayber megn shtimen« handelte es sich also um nichts anderes als ein satirisches Lied, dass sich über die Einführung des Frauenwahlrechts lustig macht, weil die Ehefrau nun aufhören kann zu keppeln (da sie ja eh wählen darf).

Ist so ein sexistisches Lied also noch irgendwie zu retten? Mir fiel auf, dass in der ersten Aufnahme, die ich gehört hatte, die Sängerin Clara Gold, subtil einige Wörter veränderte, um dem Text so mehr Nachdruck zu verleihen. Statt »Ale vayber megn shtimen« (Alle Weiber dürfen wählen) sang sie »Ale vayber mizn shtimen« (Alle Weiber müssen wählen). Sie sang es auch in ihrer musikalischen Interpretation aus dem Jahr 1921 so, dass es sich für mich nicht sarkastisch, sondern kämpferisch anhörte. Inspiriert von Clara Gold beschloss ich also, mir dieses Lied selbst auch neu anzueignen. Ich übernahm ihre Änderungen, dichtete ein paar Verse auf Jiddisch dazu und verfasste noch eine dritte, englische Strophe, in der ich aus Sicht des heutigen Feminismus auf die Errungenschaften der Anfänge der femi-nistischen Kämpfe zurückblicke:

»Now 100 years have past, and see what it has brought us
Women in boards of companies, in parliaments and start-ups
But what have all these women done, for care workers and migrants?
It’s time to change our strategy, and join to fight all tyrants!«

Durch diese Methode gelang es mir auch, eine Kritik am liberal-bürgerlich feministischen Narrativ zu formulieren, dass das Patriarchat durch zunehmende politische und wirtschaftliche Teilhabe von Frauen* überwunden werden könnte. Dieses Narrativ verkennt allerdings, dass patriarchale Unter -drückungs mechanismen untrennbar mit kapitalistischer Ausbeutung und rassistischer Ausgrenzung verwoben sind. Umgeschrieben fügt sich dieses Lied also auch in die Tradition der jiddisch sprachigen Revolutionär*innen, deren Ziel nicht weniger als die Befreiung der gesamten Menschheit war.

Isabel Frey ist eine Wiener jiddische Sängerin und Doktorandin in Ethnomusikologie an der Universität für Musik und Darstellende Kunst. Mit ihren jiddischen Revolutionsliedern unterstützt sie diverse politische Protestbewegungen, darunter auch die Wiener Donnerstagsdemos und LINKS Wien, und trägt damit die Tradition der jüdisch-revolutionären Kultur ins 21. Jahrhundert.

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Heide Hammer im Gespräch mit Barbara Staudinger, Direktorin des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben und ab Juli 2022 Direktorin des Jüdischen Museums in Wien, über feministische Ausstellungen und den Kampf gegen Antisemitismus

In einem Interview mit dem jüdischen Stadtmagazin Wina sagst du im Jänner diesen Jahres: »Noch vor zehn Jahren haben viele Jüdische Museen gesagt, Antisemitismus ist eine Geschichte der Antisemiten und nicht eine Geschichte der Jüdinnen und Juden. Heutzutage, in einer Zeit, in der Antisemitismus ein ohnehin schon großes und noch zusätzlich wachsendes gesellschaftliches Problem ist, können sich Jüdische Museen nicht mehr auf diese Position zurückziehen.« Antisemitismus und Verschwörungstheorien gehen gerade auch bei den Corona-Demonstrationen Hand in Hand. Was müssen wir jetzt tun? Was kann ein jüdisches Museum zum Kampf gegen Antisemitismus beitragen?

BARBARA STAUDINGER: Es gibt einen großen historischen Fundus an antisemitischen Verschwörungstheorien, der aktuell, vermischt mit anderen, auf die Straße und ins Netz gebracht wird. Was kann ein Museum dagegen tun? Zunächst: Es gibt keine »Impfung gegen Antisemitismus«. Der Besuch eines jüdischen Museums führt zu keiner Läuterung, die Besucher:innen kommen auch nicht als bessere Menschen wieder raus. Zugleich ist der Kampf gegen Antisemitismus eine allgemeine Aufgabe, weil Juden und Jüdinnen jetzt massiv bedroht sind. Der antisemitische Anschlag in Halle am 9. Oktober 2019 war da nur ein Höhepunkt im zunehmenden Alltagsantisemitismus. Daher können sich Jüdische Museen nicht aus der Verantwortung nehmen, gegen Antisemitismus zu arbeiten.

Unsere Form der Bildungsarbeit muss sehr breit aufgestellt sein und auch im öffentlichen Raum stattfinden, um im Alltag präsent zu sein. Es geht darum, Angebote nicht nur in einem Haus, hier im 1. Bezirk zu setzen, sondern dezentral zu arbeiten und in den Bezirken sichtbar zu sein.

Die Ausstellung »Schalom Sisters*!«, die im letzten Jahr in Augsburg zu sehen war, hatte die Vielfalt jüdisch-feministischer Positionen in Vergangenheit und Gegenwart zum Thema.

BARBARA STAUDINGER: Bei »Schalom Sisters*!« haben wir auch im öffentlichen Raum gearbeitet. Auf einer von einer Künstlerin mit einer Frauendemonstration gestalteten Straßenbahn haben wir mit Slogans darauf hingewiesen, dass es historisch viele Forderungen der Frauenbewegung gab, aber auch, wofür man heute auf die Straße gehen muss. Das erregte Aufmerksamkeit: Am 8. März ist die Straßenbahn plötzlich an der Demo vorbeigefahren, die Demonstrant:innen haben applaudiert.

Ein anderer Teil der Ausstellung im öffentlichen Raum war eine frei zugängliche Auslagenausstellung. Und auch in den anderen Ausstellungsteilen haben wir versucht, dem stereotypen, sehr männlich geprägten Bild des Judentums historische und moderne, politische und künstlerische feministische Positionen entgegenzusetzen.

Im Ausstellungstext heißt es auch: »Denn Feminismus ist kein ›Frauenthema‹, sondern ein Beitrag zu einer gerechteren Welt.« Von welchem feministischen Selbstverständnis gehst Du aus?

BARBARA STAUDINGER: Stephanie Shirley zeigt in einem wunderbaren Videozitat, dass ihr Kopf schon ganz platt ist, vom vielen Tätscheln. Wir müssen diese gläserne Decke abbauen, das ist die Aufgabe von Frauen in Führungspositionen. Wir müssen uns nicht nur behaupten, im 21. Jh. müssen wir (kultur-)politisch etwas bewirken. Was das mit einer gerechteren Welt zu tun hat? Von mehr Gleichheit profitieren alle, denn mit dem Phänomen des Machterhalts sehen sich nicht nur Frauen konfrontiert, es betrifft auch andere Diskriminierungsachsen.

Bist du gerne Chefin?

BARBARA STAUDINGER: Ja, ich übernehme gerne Verantwortung und ich entscheide gerne. Auch wenn ich flache Hierarchien schätze, fängt der Fisch immer beim Kopf zu stinken an. Ich werde dafür bezahlt, Verantwortung zu übernehmen, das ist mein Job. Mir war klar, dass mit der Übernahme einer Direktion meine kuratorische Arbeit auf einer anderen Ebene liegt. Ein Haus zu kuratieren, es in eine bestimmte Richtung zu bewegen, ist eine überaus reizvolle Aufgabe. Fragen des Budgets, das die Basis von allem ist, sind sehr wichtig und hier kann man, etwa wenn an Künstler:innen faire Honorare bezahlt werden, auch tatsächlich viel verändern.

Ausgehend von der Restaurierung des Films Die Stadt ohne Juden vom Filmarchiv Austria hast Du die Ausstellung »Die Stadt ohne – Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge« gemacht. Mich interessiert die Methode der Intervention, einerseits die Zeitachse, die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart und andererseits die Verschiebung – die Intervention von außen und die Leitung einer Institution.

BARBARA STAUDINGER: Jüdische Museen haben meist eine historische Sammlung, eine Intervention in der Institution beschäftigt sich kritisch mit der eigenen Sammlung. Interventionen sind so reizvoll, weil sie andere Perspektiven aufmachen und andere Fragen stellen und daher die Möglichkeit der Reflexion der eigenen Arbeit bieten. Der Unterschied, wenn man ein Haus leitet, ist, dass man dann sagen kann, ich lade euch ein, eine Intervention in unserem Museum zu machen. Ein Museum soll ein kritischer Ort sein, ein hinterfragender Ort – und ein Ort, der an aktuelle gesellschaftspolitische Fragen anknüpft. Meines Erachtens müssen wir uns bei jeder Ausstellung fragen, was dies mit unserer Gegenwart zu tun hat. Wie bei der Ausstellung »Die Stadt ohne«, bei der es um einen strukturellen Vergleich von Ausschlussmechanismen gegen die jüdische Bevölkerung vor 1938, aber auch heute gegen Jüdinnen und Juden und andere Minderheiten ging.

Am 27. Jänner war der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust (Holocaust Remembrance Day). Was tun mit solchen Gedenktagen in Österreich? Zum Feiertag machen und ein vielfältiges Public Program bieten?

BARBARA STAUDINGER: Gedenktage fungieren oft als Bühne für Politiker:innen. Zugleich ist dieser Tag für die Überlebenden und ihre Nachkommen sehr wichtig. Dennoch würde ich mir wünschen, dass das Interesse an den letzten Zeug:innen das ganze Jahr über da ist, auch das empathische Interesse. In Augsburg gab es ein virtuelles Gedenken mit drei Zeitzeug:innen, die als Kinder aus Augsburg vertrieben wurden. Sie möchten, dass ihre Geschichte und die Geschichte ihrer Eltern nicht vergessen wird. Der Staat und seine Institutionen haben die Verantwortung, Erinnerungskultur zu leben.

Wäre der 8. März ein Feiertag, würde sich dann an der öffentlichen Wahrnehmung etwas ändern?

BARBARA STAUDINGER: Jede:r mag Feiertage, sie sind eine angenehme Unterbrechung der Woche. Ökonomisch gedacht kann man einen Feiertag aber auch beziffern. Wenn man die Hälfte von dem, was am 8. März erwirtschaftet wird, in feministische Projekte steckt, würde das vielleicht mehr bringen als ein Feiertag?

Du nutzt Social Media Kanäle auf sehr witzige Weise, das ist ziemlich ungewöhnlich.

BARBARA STAUDINGER: Am Beginn der Pandemie dachte ich, wenn wir jetzt nicht lachen, dann ist alles vorbei und ich wollte mich auch erinnern, wie es an einzelnen Tagen gewesen ist. In meinem häuslichen Mikrokosmos spiegelt sich der Makrokosmos, in der plötzlich so klein werdenden Wohnung also die ganze Welt. Der Moment des Lachens ist eine Bewältigungsstrategie. Mir ist es wichtig, zu lachen.

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Eine persönliche Reflexion zu Hetero-Elternschaft, männlicher Identität und jugendlichem Serienkonsum.

Von Daniel Sanin

Die zwei Söhne sind auf die Sitcom Two and a Half Men reingekippt. Keine Ahnung, wie das passieren konnte. Eine Protestaktion auf einen feministischen Haushalt? Auf den lange zurückliegenden »gendersensiblen« Kindergarten? Auf die elterliche Begeisterung für Queer Eye? So viele Bemühungen haben wir in eine feministische Erziehung gesteckt – geschlech-tergerechtes Vorlesen (Nennung weiblicher Formen, Auswechseln von Geschlechtern), Unterstützung und Förderung der freien Kleiderwahl (Hello Kitty-Shirts, Feenkostüme zum Verkleiden, Nagellack), Entkräftung von Vorurteilen u.v.m. – und nun müssen wir uns mit der absoluten Begeisterung für eine der sexistischsten Serien überhaupt herumschlagen.

Psychologie der schlechten Realität

Das plötzliche Eindringen dieser in kontinuierliches Publikumslachen eingenebelten sexistischen Männerwelt fällt zusammen mit meiner Lektüre von Elisabeth Badinters 1993 erschienenes XY – Die Identität des Mannes, das sehr viel Literatur zusammenträgt und einen sehr guten Überblick bietet über die Dynamiken und das Spannungsfeld des Geschlechterverhältnisses. Gleichzeitig vertritt die Autorin einen klassischen psychoanalytischen Konservatismus, nämlich dass die Zweigeschlechtlichkeit unumgänglich sei und gemäß den psychoanalytischen Entwicklungsstadien ablaufe: orale, anale, genitale Phase und natürlich der Ödipuskomplex, der die notwendige und unvermeidliche Identifikation mit dem Geschlecht leiste. Hier begeht die Psychoanalyse denselben Fehler wie das klassische Identitätsdenken, nämlich die schlechten Zustände zu verstetigen, anstatt sie als negativen Ausgangspunkt zu nehmen, von dem aus eine Utopie zu entwickeln wäre.

Mann = Subjekt, Frau = Objekt

Doch zurück zu unserem eigentlichen Schauplatz. (Vorbemerkung: Ich beschränke mich in meiner Analyse auf die ursprüngliche Konstellation mit den Brüdern Charlie und Alan Harper, sowie Alans Sohn Jake. Die Folgen mit Walden Schmidt statt Charlie sind zwar nicht substantiell unterschiedlich, setzen aber doch einige andere Akzente.) Die Männer in dieser Serie sind komplett eindimensional. Charlie verkörpert den Typus »hegemonialer Männlichkeit«: beruflich erfolgreich (er komponiert Werbejingles), wohlhabend (er wohnt in einem luxuriösen Strandhaus), rücksichtslos und funktional zum eigenen Körper (er trinkt viel Alkohol und raucht Zigarren) und beständig auf sexuelle »Eroberung« aus (er ist eigentlich hauptsächlich damit beschäftigt, zu versuchen, so viele Frauen wie möglich zu penetrieren). Sein Bruder Alan verkörpert den Typus der »komplizenhaften Männlichkeit«: Dieser passt, laut der Entwicklerin des Konzeptes der hegemonialen Männlichkeit, Raewyn Connell, nicht in das hegemoniale Schema, ist also im konkreten Fall eben nicht erfolgreich im Beruf und bei Frauen, stützt aber das System, in dem er ihm zustimmt und mitmacht. Alan ist ein »Loser«: Er hat nie Geld und wird von Charlie als Schmarotzer bezeichnet, weil er in seinem Haus wohnt; er ist tollpatschig und erfolglos bei Frauen; und er hat einen »unmännlichen« Beruf, Chiropraktiker, der beständig für Lacher herhalten muss. Zwischen diesen ungleichen Brüdern gibt es noch Alans Sohn Jake, rundlich und nicht sehr helle, der sich oft mit Charlie gegen seinen Vater verbündet und schließlich beim Militär landet, einem klassischen Männerbund.

Zentrale Figur bleibt aber Charlie, denn auch wenn beide Brüder zentrale Charaktere sind, funktioniert das Zusammenspiel nur, weil Charlie der Bezugspunkt ist. Alan möchte eigentlich so sein wie er und versucht das auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Es geht beständig um die Penisse der Brüder und wie beglückend diese für Frauen sind. Sexuell interessante Frauen sind hier keine Subjekte, mit denen mensch ebenbürtig eine Beziehung eingeht, in der Sexualität stattfinden kann oder nicht; sie sind auch nicht solche, wo es von vorneherein ebenbürtig nur um Sex ginge. Sie sind Objekte. Diese können zwar sprechen, sind aber keine handelnden Subjekte wie die Männer. Sie sind Pornophantasien, die gerne von einem »richtigen« Mann (Charlie) penetriert werden wollen und für die es scheinbar das höchste der Gefühle ist, von ihm begehrt zu werden. Es geht also um das Begehren des Mannes, während sie selbst nur eine Funktion dessen sind. Ihre Aufgabe ist es, ihm seine Begehrlichkeit zu spiegeln, aber nicht als tolles Individuum, sondern als Vertreter einer Kategorie.

Dramaturgie des Geschlechterverhältnisses

In der patriarchalen Geschlechterordnung gehört die Frau der Sphäre der Natur an, sie ist durch Zyklus und Gebärfähigkeit in selbiger verankert; der Mann hingegen kann sich darüber erheben, ist das kulturschaffende Subjekt. Durch diese künstliche Erhöhung, die eine weitreichende narzisstische Schieflage mit sich bringt, ist der Mann beständig in Gefahr, von seiner Höhe herabzufallen, also seine Männlichkeit zu verlieren. Daher brauchen Männer andere Männer, die ihnen bestätigen, dass sie noch innerhalb der Kategorie sind und sie brauchen Frauen, die ihnen ihre Begehrlichkeit spiegeln und so zeigen, dass sie das andere sind, das Nicht-Weibliche, also männlich und dadurch hervorstehend, besonders, erhöht.

Diese Dynamik wird in Two and a Half Men beständig inszeniert. Die Frauen, die hier vorkommen, sind entweder absolute Zicken, die nur am Geld von Männern interessiert sind (z. B. Alans Ex-Frau Judith, von der er sich total unterdrückt und ausgeblutet vorkommt), männerfressende, von Schönheitsoperationen besessene Egomaninnen (die Mutter der Brüder, Evelyn, die schon mehrere Männer überlebt und/oder um viel Geld erleichtert hat), hässliche – in einem hegemonialen Sinn gemeint – und übelgelaunte Untergebene (die Haushälterin Berta), sowie zuletzt eine vielleicht zwar sehr intelligente und hübsche (wieder im oben genannten Sinn verstanden), aber extrem neurotische Stalkerin (die Nachbarin Rose, von Charlie besessen) oder hauptsächlich dumm und sexy (in genanntem Sinne) und haben oft keine Namen bzw. wird ständig damit gescherzt, dass ihre Namen völlig unwichtig sind (unzählige One Night Stands).

Positive Männerfiguren kommen nicht vor. Alle Väter von Charlie und Alan sind tot oder jedenfalls nicht mehr vorhanden.

Attraktivität und Verdrängung

Dieses Männerensemble hat etwas sehr Verlorenes in ihrem Strandhaus, um sich selbst kreisend und sich von Frauen spiegeln lassend; die Kehrseite davon ist Narrenfreiheit – und das auch noch in der Herrschaftsposition, die ihnen vom patriarchalen System, in dem wir hängen und an dem wir stricken, gewährt wird.

Diese Position der Beziehungslosigkeit, der offenen Handlungsoptionen durch Geld (Arbeit ist hier nicht spürbar), der Verfügung über Frauen (sie fliegen Charlie zu und bewundern ihn, bei Anhänglichkeit – Beziehung! – werden sie spätestens abserviert), der Selbst- und Fremdverachtung getarnt als Selbstsicherheit wird scheinbar von vielen als attraktiv empfunden, was zumindest ein großer Publikumserfolg und mehrere Auszeichnungen vermuten lassen.

In diesen Elementen (Handlungs optionen – Erfolg – Selbstsicherheit) ver-mute ich auch die Begeisterung meiner Söhne. Wenn wir sie fragen, was ihnen daran so gefällt, kommt als Antwort nur, dass es »so witzig« sei. Die Frauenverachtung – und letztlich Selbstverachtung – wird nicht gesehen. Die Witzigkeit ist nur die Oberfläche, aber durch die Konstellation von erfolgreichem Charlie und Tollpatsch Alan sehr dynamisch gestaltet. Wir als Eltern sehen aber die Oberfläche nur als dünnen Firnis und die darunter grinsende Fratze springt uns regelmäßig ins Gesicht, so, dass wir immer wieder ätzende Bemerkungen machen müssen, wenn der Sexismus vom üblichen Pegel durch die Decke schießt. Scheinbar kann er aber relativ mühelos ausgeblendet werden. Das zeigt sich im Vergleich zum Rassismus gegenüber BIPoC*: Hier haben unsere Kinder sehr wohl ein gutes Bewusstsein und bringen Geschichten mit nach Hause, wo sie z. B. rassistische Diskriminierungen von Mitschüler*innen thematisieren. Eine Serie, in der Rassismus die Folie für beständige Lacher böte, scheint unvorstellbar. Ganz anders aber verhält es sich beim Geschlechterverhältnis: Hier können Frauen als reaktionäre Karikaturen auftreten und es ist ein großer Erfolg.

Psychologisch gesehen müssen wir unsere Welt ordnen, da wir für unsere Subjektbildung Orientierung und Abgrenzungen brauchen. Diese Ordnung muss aber nicht unterdrückend und hierarchisch sein. Die Trennung in zwei Geschlechter ist in dieser Striktheit weder phylo- noch ontogenetisch, also weder gattungs- noch individualgeschichtlich, zwingend; wohl aber, wenn sie in der konkreten Gesellschaft, in der ich meinen Platz als Heranwachsende*r finden soll und muss, das erste und fundamentalste Unterscheidungsmerkmal bildet. Dann wird es zu einer psychologischen Notwendigkeit, sich auf dieser Achse zu verorten. Eine Aufweichung oder Dekonstruktion ist nur in einem nachfolgenden, mühe- und schmerzvollen Prozess zu haben.

Da ist es natürlich viel lustvoller, sich auf humorvolle Art mit Männlichkeit zu beschäftigen. Die Frauenfeindlichkeit muss dabei verdrängt werden. Das ist sowieso eine sehr herausfordernde Verdrängungsleistung: Die Herabstufung der Hälfte der Menschheit, nur um sich selbst, als Vertreter der anderen, höherstufen zu können. Diese Herabstufung beinhaltet ja auch die Mutter, vielleicht Schwestern, Tanten, Großmütter, Töchter, für die dann intra-psychisch Ausnahmen und Sonderregelungen gefunden werden müssen. Dieser ganze widersprüchliche Verdrängungsprozess geht natürlich lachend viel leichter.

Bescheidenes Fazit

In dieser Zwangsvergeschlechtlichung wäre es bei einer solchen Serie tatsächlich wünschenswert, eine positive männliche Identifikationsfigur zu haben, statt zwei Lachnummern, die Kapital aus Frauenverachtung schlagen. Als Eltern sehen wir diese Begeisterung unserer Kinder und lassen sie zu – gleichzeitig äußern wir unseren Unmut, wenn es gerade allzu würdelos und sexistisch ist. Letztlich müssen wir jedoch zusehen, wie sich die hässliche Fratze männlicher Sozialisation direkt vor unseren Augen manifestiert. Wir begleiten kritisch und einfühlsam, aber die Geschlechterhierarchie ist unerbittlich und unaufhaltsam. Doch stur und kontinuierlich werben wir z. B. für Queer Eye und thematisieren Vielfalt und Offenheit, damit neben der hegemonialen Männlichkeit auch marginalisierte Optionen Prominenz erhalten.

*)BIPoC ist eine Abkürzung aus dem Englischen für Black People, Indigenous People and People of Colour.

Daniel Sanin ist klinischer Psychologe in Wien. In der Volksstimme 2021/6 erschien von ihm der Text: Abspaltung.

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Von Diana Leah Mosser

Liebe Genoss*innen, auf der vorherigen Seite seht ihr ein Glossar. Ein großes Feld, in dem Begriffe erklärt werden, die angeblich niemand ver­steht. Zum Glück mag ich Begriffsdefinitio­nen. Enzyklopädien. Glossare. Sie geben mir Klarheit darüber, wie Begriffe verstan­den werden (können). Deshalb bin ich gern eine der Ersten, die sich meldet, wenn wo ein Glossar oder Begriffskastel zu schreiben ist.

Ich nehme mir Zeit und Platz, überlege »Was heißt das für mich«. Beim Erklären von Begriffen aus queeren Bereichen – also z. B. die trans-inter*-nonbinary-Ecke – komm ich ein bisschen in ein Spannungs­feld. Ich beschreibe Begriffe, die auch andere Menschen verwenden, um sich zu beschreiben. Ich erforsche mich selbst, aber nehme auch Definitionen vorweg. Ich helfe meinen Mitmenschen, Dinge besser zu verstehen, aber erfülle auch eine Erwar­tungshaltung, die unangemessen ist.

Von uns nichtbinären und trans Personen wird sehr oft erwartet, dass wir uns selbst erklären. Und zwar höflich, freundlich und ohne Gegenleistung. Wir erklären uns auf Social Media, im Freundeskreis, in Polit­gruppen, vor den Türen von Frauenzen­tren. Wir erklären uns vorm Psychiater, vorm Standesamt, vor der Polizistin, die grade die falsche Anrede verwendet hat. Das ist oft ermüdend, vor allem weil wir statt der Gegenleistung auch gern mal Skepsis, Misstrauen, Argwohn oder blanke Gegnerinnenschaft ernten, und nie so genau wissen, wann das passieren wird.

Diese komplexen Anforderungen und der häufige Druck, mein Dasein zu erklären, gibt mir manchmal das Gefühl, meine Mit­menschen wären schon mit meiner bloßen Existenz – als nichtbinäre trans Frau – überfordert. Manchmal sagen Leute, nicht-binär oder transgender wären universitäre, elitäre Begriffe. Und dann denke ich an Hörsäle, PhD Abschlüsse und Gender Studies und irgendwie sind das nicht die Dinge, die ich selber mit transgender und nichtbinär verknüpfe: Ich hab’ keine Matura.

Ich muss Leuten erklären, was ich bin, aber kenne diese Judith Butler nicht.

Erfahrungsgemäß (meine ... Erfahrungen) haben trans Personen kein fertiges Stu­dium und gehören keiner Elite an. Und mit Karriere is’ oft auch nix. Weil während unsere cis Schulkolleg*innen mit 25 über­legen, ob sie den Job bei der Bank mit guten Aufstiegschancen behalten oder ihr neues Hobby – Webdesign oder Schmuck­design oder Gartendesign – zum Beruf machen, haben wir als trans Personen oft grad erst mal raus gefunden, wie wir an ein Maturazeugnis kommen, auf dem der richtige Name steht (wenn wir uns in dem Alter überhaupt schon so ernst nehmen, dass wir uns einen richtigen Namen zuge­stehen).

Das Gefühl, das ich bekomme, wenn mein Sein zu einer Sache deklariert wird, die man dauernd erklären muss – oder gar studieren – ist ein sehr hemmendes Gefühl. Denn mir – UNS – wird damit vermittelt, meine Existenz, meine Erfahrungen, die Art wie ich ausgegrenzt werde und wie über mich bestimmt wird, sei etwas sehr Kompli­ziertes und eine Auseinandersetzung damit sei der breiten Masse nicht zumutbar. Als wäre mein Geschlecht eine persönliche Angelegenheit, die ich bitte für mich behal­ten soll, wenn es gerade um etwas Anderes geht.

Aber dieses hemmende Gefühl … Das ist doch gar keine trans Erfahrung, keine Ein­zelbefindlichkeit. Es ist Alltag im Patriar­chat: Ihr kennt das.

Anwältinnen kennen das. Mechanikerin­nen kennen das. Reinigungskräfte kennen das. Frauenministerinnen ... kennen das auch, verdammt.

Drei Augenpaare, die euch anschauen mit diesem »Was willst du jetzt?«-Blick. Fremde Menschen, die ungefragt erklären, was der wahre Hintergrund eurer Erfahrungen mit Diskriminierung ist.

Auf der vorhergehenden Seite seht ihr ein Glossar, eine Liste von Worten, die die Welt begreifbarer und damit veränderbar machen. Zaubern ist die Veränderung der Realität durch Worte.

Wenn ihr im Glossar Begriffe lest, die ihr nicht versteht, versucht sie nachzu ­empfinden. Zu fühlen. Wenn ihr sie nicht fühlen könnt, fragt eure Mitmenschen: »Warst du schon einmal in einer Situation, in der du …?«

Denn was nützen uns Begriffe, wenn wir nicht empfinden.

Was nützt uns das Be-Greifen, wenn wir nichts fühlen?

Danke.

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Ein Porträt von Hannah Luschnig

Grazer Rathaus, zweiter Stock. Die KPÖ ist umgezogen. Sie ist gewachsen und das alte Büro zu klein geworden. Im Gang lehnt hochkant eine rote Couch an der Wand, überall stehen Kisten. Elke Kahr schreitet voran und mahnt zur Eile. Sie hat nicht viel Zeit. Seit November ist sie die neue Bürgermeisterin der zweitgrößten Stadt Österreichs. Hier sprechen noch alle über die ORF-Pressestunde vom Sonntag. Elke Kahr kam gut an und ließ sich vom Interviewstil nicht beirren. Stalin und Nordkorea: geschenkt, damit hat sie nichts am Hut. Dabei könnte man innerhalb der ideologischen Verzweigungen der KPÖ-Steiermark durchaus bis zu Lenin-Kult und Sowjet-Nostalgie vordringen. Aber mit allzu platten Fragen gelingt das freilich nicht.

Elke Kahr führt in ihr Büro. Rechts steht das berüchtigte Kallax-Regal, das die Medien so bewegt hat. Es hätte die steiri­schen Tischler nicht sehr gefreut, so die bissige Moderatoren-Bemerkung in der ORF-Pressestunde, dass Kahr »abgewohnte Ikea-Möbel« in ihr Büro gestellt hätte. Die Büromöbel wären alle von der steirischen Firma Neudörfler, erzählt ein KPÖ-Mitar­beiter von Kahr. Aber wegen dieses einen Ikea-Regals hätte es viel künstliche Aufre­gung gegeben. Auf Elke Kahr schien das wenig Eindruck zu machen. Ob ihr nun ein einflussreicher Journalist oder eine einfa­che Bürgerin gegenübersitzt – sie behan­delt alle gleich und ohne Kalkül. Sie orien­tiert sich nicht an Status und Geld, den Din­gen, die andere antreiben. Das macht sie außergewöhnlich. Den Großteil ihres Gehalts spendet Kahr für Menschen in Not­lagen. Als Bürgermeisterin bekommt sie über 14.500 Euro monatlich, davon behält sie ungefähr 2000. Das reicht ihr zum Leben. Der Versuchung, gesellschaftlich aufzusteigen, ist sie nicht erlegen. Sie hat andere Träume.

Mit dem österreichischen Durchschnittsge­halt auszukommen, erfüllt noch einen wei­teren Zweck: man verliert nicht die Boden­haftung, den Sinn für die Sorgen der Men­schen, »die es sich nicht richten können«. Elke Kahr wird von ihren Bekannten als bescheiden, menschlich und integer beschrieben. Das schätzen offensichtlich auch die Wähler*innen, die der KPÖ bei den Gemeinderatswahlen im Herbst fast 29% Prozent aller gültigen Stimmen beschert haben. Mit diesem Sieg endete auch die Amtszeit des ÖVP-Langzeitbürger­meisters Siegfried Nagl. Auf ihn folgte an der Spitze einer Dreierkoalition mit der SPÖ und den Grünen Elke Kahr, deren Stil sich wohltuend von der Politik der Selbst­bereicherung und der Prestigeprojekte abhebt. »Wir sind alle nicht in die KPÖ gegangen, um etwas zu werden«, sagt sie und nimmt einen Zug von ihrer Zigarette. Ein bisschen Asche fällt auf den Tisch, die wischt sie in den Aschenbecher.

An ihrem Alltag hat sich nicht viel verän­dert, seit sie Bürgermeisterin ist. Die Sprechstunden hält sie noch immer ab, jetzt aber meist freitags oder samstags. Am Samstag kann es schon vorkommen, dass 80 Leute sie um Rat fragen, manchmal sind es aber auch bis zu 150 in einer Woche. Dann verlässt sie das Büro erst um 20 Uhr. Elke Kahr powert durch, in einer rastlosen, wenngleich gelassenen Art. Die Leute kom­men überwiegend, weil sie eine Wohnung brauchen oder Probleme mit Vermieter*innen haben. Sie hört sich ihre Sorgen an und versucht, Lösungen zu fin­den. In der Presse wird sie dafür oft als nette Sozialarbeiterin belächelt. Ob sie das stört? »Ist eine Ehre«, antwortet sie. Elke Kahr ist die erste weibliche Bürgermeiste­rin in Graz. Ihr Feminismus ist zurückhal­tend und selbstverständlich. Auch hier konzentriert sie sich auf soziale Fragen: das Problem der prekären Beschäftigung, der Frauenarmut, der ökonomischen Ungleich­heit.

Angefangen hat sie 1993 als Gemeinderä­tin in Graz, da war sie schon seit zehn Jah­ren KPÖ-Parteimitglied. Anfang der 80er hatte sie noch in der Kontrollbank gearbei­tet, der Partei ihre Wochenenden gewidmet und unter der Woche die Abendmatura gemacht. In der Zeit lernte sie auch ihren Lebensgefährten kennen, den ehemaligen KPÖ-Landesvorsitzenden Stephan Parteder, mit dem sie einen mittlerweile erwachse­nen Sohn hat. Gefördert wurde sie damals von Ernest Kaltenegger, der die KPÖ aus der Versenkung geholt und sie zu einer bedeutenden politischen Kraft in der Stei­ermark gemacht hatte. Bevor er sich »in die zweite Reihe verabschiedete«, baute er mit Elke Kahr bereits seine Nachfolge auf. Beide verdanken ihren Erfolg unter anderem ihrem unermüdlichen Einsatz für Mieter*innen. Sie prüfen Mietverträge, beraten, schlichten und betreiben dafür seit Jahrzehnten einen Mieternotruf. Die Partei gibt sich zugänglich, bürgernahe und sozial. Und: bei Elke Kahr ist das nicht gespielt, sie ist so.

Aufgewachsen ist Kahr bei ihren Adoptiv­eltern in der Triestersiedlung in Graz, »wo es damals noch Baracken gab«, wie sie bei ihrer Antrittsrede erzählte. Ihr Vater, ein Schlosser, ist in jeder Hinsicht ein Vorbild gewesen: ein »gebildeter Arbeiter« mit offenem Herzen und Neugierde auf die Welt. Ein durchaus politischer Mensch, auch wenn er das von sich nicht so gesagt hätte. Jemand, der Grundsätze in ihr gefes­tigt hat. Dass es wichtig ist, eine Arbeit zu haben, um auf eigenen Beinen zu stehen, und dass es keine niederen Arbeiten gibt. Dass ein Mädchen gleich viel wert ist wie ein Bursche. Politisiert hat sie die Sehn­sucht nach einer sozial gerechteren Welt. Als sie aufgrund dieser Sehnsucht zur KPÖ ging, fand sie eine antiquierte Partei vor. Verstaubt in Geschlechterfragen, unge­schickt im Auftreten. Zu abgeschottet, kei­nen Sinn für Ästhetik, wenig freundlich. Das hatte schon Ernest Kaltenegger ver­standen und die KPÖ auf einen konsequent sozialen Weg gebracht.

Mittlerweile steht die Partei in Graz für offene Türen und Konten. Die reden nicht nur, die tun auch was. Kahr gewinnt das Vertrauen der Leute durch alltagstaugliche, nützliche Politik, nicht indem sie »auf eine bessere Welt irgendwann« vertröstet, selbst wenn die Möglichkeiten der Lokalpo­litik beschränkt sind. So hat die Stadt heuer die Gebühren für Müll und Kanal nicht erhöht, dafür den Energiekostenzuschuss erweitert. Aber eine Mietobergrenze: darü­ber kann eben nur die Bundesregierung entscheiden. Nur weil man ein Gesetz nicht ändern kann, heißt das nicht, dass man nichts machen kann. »Einfach konkret da sein für die Leute«, sagt Elke Kahr. Und zwar mit einem »Blick von unten«. Dann steht sie auf, irgendwer braucht eine Unterschrift von ihr. Und auch sonst gibt es noch viel zu tun.

Hannah Luschnig arbeitet im IT-Bereich und ist LINKS-Bezirks­rätin in der Brigittenau. Unlängst hat sie sich auch als Fotografin betätigt. Sie schreibt verdammt gerne.

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Ein literarischer Essay von Eva Schörkhuber mit Illustrationen von Paulina Molnar

Vorgeschichten

Meine erste Fahrt nach Klagenfurt/ Celovec seit vier Jahren: Das letzte Mal bin ich auf der Durchreise nach Slowenien, Kroatien und Bosnien/Herzegowina hier gewesen. Die Städte Jajce und Sarajevo waren damals das Ziel, wobei, wenn eine sich entscheidet, nicht in das Flugzeug zu steigen, sondern auf Land- und Seewegen zu reisen, immer auch der Weg ein Ziel ist.

Das vorletzte Mal war ich vor mehr als dreißig Jahren hier: ein Stadtausflug vom Klopeinersee aus unternommen. Vom Lindwurm und von Mini-Mundus, davon gibt es Fotos: Wir, meine Mutter, mein Opa, mein Bruder und ich, stehen vor dem Mini-Eiffelturm, vor dem Mini-Atomium und auf dem Mini-Golfplatz. Die meisten Fotos hat mein Vater gemacht, mit einer silber-schwarzen Nikon, die ich mir Jahre später ausleihen durfte, um Dias auf meinen Reisen zu machen. Dass Fotografie eine Art und Weise ist, mit Licht zu schreiben, gefällt mir noch heute.

Mein Großvater, pensionierter Mathematik-Professor an der HTL in Steyr, hat mit mir während dieser Kärnten/Koroška-Urlaube immer gerechnet: Ich habe ihn im Kopfrechnen gegen meine Rechenspielmaschine, den »Kleinen Professor«, der, wenn eine Rechenaufgabe gelöst wurde, fröhlich mit dem Schnurrbart gewackelt hat, antreten lassen. Meistens hat der große Professor gewonnen.

Mäh-Opa habe ich den großen Professor genannt: Als ich zwei oder drei Jahre alt war, ist er oft mit mir zu den Schafen gegangen, die in einem Gehege neben der Donau grasten. Bei jedem Spaziergang habe ich befürchtet und doch insgeheim gehofft, dass eines der Schafe blöken würde. Wohliges Schaudern an der Hand eines Menschen, dem ich mein vollstes Vertrauen schenkte.

Dieser Großvater wurde am 23. November 1920 geboren, am selben Tag wie Paul Celan. Zwei Leben, die gleichzeitig ihren Ausgang genommen haben und so unterschiedlich verlaufen sind.

Eine der Lieblingsgeschichten meines Großvaters war, wie der Kater seiner Familie sich im Winter ins Vogelhaus gesetzt und darauf gewartet hat, dass ihm die hungrigen Vögel ins Maul fliegen. Der schlaue Kater Gucki.

Mein Großvater war in Reichraming, in der Nähe von Steyr, aufgewachsen. Er hatte drei Brüder. Seine Mutter, meine Uroma, war stolz darauf, dass ihr von den Nationalsozialisten das Mutterkreuz verliehen wurde. Ihren Lieblingssohn, meinen Großonkel, habe ich nie kennengelernt. Er ist im Zweiten Weltkrieg umgekommen.

Paul Celan war in Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, aufgewachsen. Er hatte keine Geschwister. Seine Eltern wurden im Zwangsarbeitslager Michailowka von den Nationalsozialisten ermordet. Auch er musste Zwangsarbeit verrichten. Nach der Befreiung durch die Rote Armee kehrte er nach Czernowitz zurück.

Mein Großvater wurde am Ende seiner Schulzeit, kurz vor der Matura, zur Wehrmacht eingezogen. Dass er dem Marschbefehl nach Russland nicht nachkam, lag daran, dass sein Pferd ausschlug und seine Kniescheibe zertrümmerte. Zeit seines Lebens hatte er Probleme mit seinem Knie und Zeit seines Lebens liebte er Pferde. Meine Reitstunden als Kind hat er mir geschenkt.

Paul Celan ging 1945 nach Bukarest, um sein Studium fortzusetzen. Zwei Jahre später floh er über Ungarn nach Wien, wo er Ingeborg Bachmann kennenlernte. Er übersiedelte Ende der 1940er Jahre nach Paris. 1970 nahm er sich dort das Leben.

Perspektivische Erweiterungen

Edith Bernhofer hat mich auf meinen Aufenthalt als author@musil gut vorbereitet. Ich weiß, wo ich arbeiten, wo ich wohnen werde und fühle mich sehr willkommen.

Das Musil-Haus liegt gegenüber des Bahnhofs. Es gehört zu den ersten Gebäuden, die ich bei meiner Ankunft sehe: Das schöne alte Haus mit der orange getünchten Fassade, die weiß-grau schattierten Bilder von Ingeborg Bachmann, Christine Lavant und Robert Musil.

Ingeborg Bachmann ist seit vielen Jahre eine literarische Gefährtin. Das letzte Mal habe ich mich länger mit ihrem 30. Jahr beschäftigt, als ich einen Essay für die Literaturzeitschrift PS: Anmerkungen zum Literaturbetrieb/Politisch Schreiben verfasst habe. Der Essay trägt den Titel »Das ikste Jahr« und ist in der Nummer 4 zum Thema »alter« 2018 erschienen.

Christine Lavant bin ich erst vor einigen Jahren begegnet: Zunächst über eines der Klangbücher vom Mandelbaum Verlag. Ihr Wechselbälgchen wurde von Sophie Rois eingesprochen und von Franz Hautzinger, Matthias Loibner und Peter Rosmanith vertont. Ihre gesammelten Gedichte sind kurze Zeit später in meine Bibliothek eingezogen.

Robert Musils Mann ohne Eigenschaften ist während meines Germanistikstudiums aufgetaucht, in stundenlangen Erörterungen innerhalb und außerhalb der Seminarräume das berühmte Heimwegkapitel:

»Wohl dem, der sagen kann ›als‹, ›ehe‹ und ›nachdem‹! Es mag ihm Schlechtes widerfahren sein, oder er mag sich in Schmerzen gewunden haben: sobald er imstande ist, die Ereignisse in der Reihenfolge ihres zeitlichen Ablaufes wiederzugeben, wird ihm so wohl, als schiene ihm die Sonne auf den Magen. Das ist es, was sich der Roman künstlich zunutze gemacht hat: der Wanderer mag bei strömenden Regen die Landstraße reiten oder bei zwanzig Grad Kälte mit den Füßen im Schnee knirschen, dem Leser wird behaglich zumute, und das wäre schwer zu begreifen, wenn dieser ewige Kunstgriff der Epik, mit dem schon die Kinderfrauen ihre Kleinen beruhigen, diese bewährteste ›perspektivische Verkürzung des Verstandes‹ nicht schon zum Leben selbst gehörte.«

Es ist nicht nur »der Roman«, der sich diese »perspektivische Verkürzung des Verstandes« »künstlich zunutze gemacht hat«: Jede Erzählung, die ein singuläres Ereignis als Auslöser einer kausalchronologischen Abfolge setzt, jede narrative Konstruktion von etwas Ursprünglichem stellt eine Verkürzung dar, die mit gewissen Ab-Sichten vorgenommen wird. Oft blenden diese Ab-Sichten die Komplexität von Geschichte aus und dienen dem Erhalt des Status Quo: sie bestätigen die vorherrschende Ordnung. Das gilt insbesondere für nationale Gründungserzählungen. Es ist kein Zufall, dass sich Ulrich, während er diese Überlegungen anstellt, auf dem HEIM-weg befindet.

Die »verbohrten Heimaterer« und die »Heimatfinstler« nennt der Pokržnikov Luka in seinem Tagebuch auch jene Zeitgenossen, die ihren Heimatdienst im Zeichen kärntner Deutschtümelei verrichten. Janko Messner hat seine für die Zeitschrift Kladivo verfassten politischen Glossen zu einem Buch versammelt, das in der aus dem Bleiburger Slowenischen übersetzten deutschsprachigen Ausgabe Aus dem Tagebuch des Pokržnikov Luka heißt: Dieses Buch zählt zu den ersten neuen literarischen Begleiter:innen hier in Klagenfurt/Celovec.

Wege durch die Stadt

Am 10. Oktober 2020 bin ich eine gute Woche hier. Der 100. Jahrestag der Volksabstimmung, bei der sich eine Mehrheit der damaligen Bevölkerung in Kärnten/Koroška für einen Verbleib bei der Ersten Republik Österreich ausgesprochen hat, wird begangen. In der Stadt sind überall CarinthJA-Transparente zu sehen, die meisten einsprachig; einige Kärnten Flaggen hängen aus Fenstern von Privathäusern und Gaststätten. Der Jahrestag soll im Zeichen eines Brückenschlags zwischen der slowenischsprachigen und der deutsch sprachigen Bevölkerung stehen, und ich frage mich, warum stets von den über viele Jahrzehnte hinweg Verfolgten, Stigmatisierten und Ausgegrenzten erwartet wird, dass sie eines schönen Tages über all das hinwegsehen, was ihnen, ihren Familien, ihren Genoss:innen und Freund:innen angetan wurde, und sich versöhnlich zeigen. Als trügen die Opfer nationalistischer Gewalt Mitschuld an dem, was ihnen eine Mehrheit, die mit staatlicher Verfügungsgewalt ausgestattet ist, zufügt.

Ich mache mich gemeinsam mit in etwa hundert anderen auf den Weg, um für einen antifaschistischen Konsens in Kärnten/Koroška einzutreten. Wir versammeln uns am Vorplatz des Bahnhofs und ziehen über die Bahnhofstraße vorbei an der Parteizentrale des BZÖ, überqueren den Viktringer Ringer, passieren das Amt der Landesregierung und biegen in die Mießtalerstraße ein. Einmal ums Eck und wir stehen am Domplatz, vor dem großen Marmorblock, in den gemeißelt steht, dass es die Opfer der Partisan:innen sind, an die erinnert werden soll. Schräg gegenüber, in der Karfreitstraße, hat der kärntner Abwehrkämpferbund sein Quartier.

Die Oktobersonne verfängt sich in der gläsernen Fassade am Domplatz, bricht sich, streut sich, wirft Lichtsprenkel auf das Steinpflaster, auf die Köpfe und Schultern der Passant:innen. Haare flammen auf, getönte Augengläser spielen alle Farben. Ein Sonnenstrahl fädelt eine Scheibe aus der Fassade, lässt sie über den Platz schweben. Vor dem Marmorblock setzt er sie ab. Im Widerspiegel beginnt der Stein zu zittern. Die Inschrift zerfließt, dunkle Lachen bilden sich am Boden. Im Spiegel flackert das Bild von zwei Frauen, ihre Blicke sind entschlossen. Eine trägt ein Gewehr und eine Mütze mit einem roten Stern. Die Hügel und Wälder im Hintergrund sind blau. »Smrt fašizmu« steht nun in großen weißen Buchstaben auf dem Marmorblock. Ob sich alle daran erinnern werden, dass es der Faschismus ist, den wir bekämpfen wollen?

Wir ziehen weiter, biegen von der Karfreitstraße in die Lidmanskygasse und schließlich in die 10. Oktober Straße. Dort werden wir von einer Gruppe Männer angepöbelt, einer streckt die rechte Hand nach oben. Es sind selbst ernannte Mehrheits-Kärntner, die ihre Überlegenheit demonstrieren wollen. Immer wieder müssen sie sich selbst beweisen, dass sie stark und überlegen sind: Ahnen sie, dass ihre vorgestellte Überlegenheits-Gemeinschaft auf nichts anderem gründet als auf einer Illusion, die nur so lange Bestand hat, so lange viele daran glauben? Haben sie Angst aus einem vagen Schuldgefühl heraus? Ist es die Angst vor sich selbst, die Angst vor dem Anderen, das im auf Biegen und Brechen behaupteten Selbst schlummert?

Durch die 10. Oktober Straße weht plötzlich ein anderer Wind. Er rüttelt an den Mützen, saust um die Ecken, wirbelt Blätter auf. Die Straßenschilder an den Häuserwänden beginnen zu klappern. Wie blecherne Zähne schlagen sie auf Stein, nagen an den Fassaden. Das Scheppern ist ohrenbetäubend. Alle halten sich die Ohren zu und schließen die Augen. Mit der Stille, die einsetzt, hat die Straße ihren Namen geändert: Partizanska Cesta steht nun auf den blauen Schildern, die in der Herbstsonne glänzen. Ob sich alle daran erinnern werden, dass es die Partisan:innen waren, die den Faschismus und den Nationalsozialismus bekämpft haben?

Durch die Partizanska Cesta geht es weiter. Wir biegen in die 8.-Mai-Straße, von dieser aus wieder in die Karfreitstraße, überqueren die Paradeisergasse und den Neuen Platz. Wir stehen am Arthur-Lemisch-Platz. Arthur Lemisch war ein Verfechter einer deutschnationalen Eigenständigkeit, Vergeltung wollte er an jenen üben, die den »heiligen Frieden unserer Heimat schändeten«.

Der Platz ächzt und stöhnt unter der Last der Geschichte. Viel zu lange schon wird ihm die Losung »Ehre Freiheit Vaterland« ins Pflaster gehämmert, nicht nur unter den Schritten der Tauriska-Burschen zu Klagenfurt. Er hat genug davon und bäumt sich auf. Unter den wankenden Beinen der Passantinnen und Passanten wölbt sich das Pflaster, die Häuserfluchten stürzen aufeinander ein und bilden Schalltrichter, aus denen es an allen Ecken und Enden tönt: »Platz des antifaschistischen Widerstandes«. Ob alle verstanden haben, dass es der Kampf gegen den Faschismus und den Nationalsozialismus ist, der in dieser Stadt seinen Platz haben soll?

Über den Platz des antifaschistischen Widerstandes gehen wir weiter am Wörtherseemandl vorbei in die Kramergasse, die in den Alten Platz mündet. Wir überqueren den Alten Platz und biegen ein in den Landhaushof mit seinen schönen Arkaden. Im rechten Eck befindet sich die Stätte der Kärntner Einheit.

Über die Stätte der Kärntner Einheit zieht eine dunkle Wolke. Sie bauscht sich auf und senkt sich auf die Säulen herab. Ein flirrender Baldachin wirft seinen Schatten auf die Marmorplatten und auf das gusseiserne Kreuz. Die Flügelschläge tausender Finken wirbeln Luft auf. Die umherstehenden Menschen greifen sich an die Köpfe, halten ihre Kappen und Hüte fest. Sie trauen ihren Augen nicht: Das gusseiserne Kreuz löst sich von der Marmorplatte, fliegt auf und beginnt sich um die eigene Achse zu drehen. Immer schneller kreist es um sich selbst, ein wilder Kreisel, der durch die Luft zischt. Die Buchstaben, die sich zuvor noch zum Kärntner Freiheitskampf gefügt haben, brechen aus. Auf den Marmorplatten klirren sie wie Groschen, die fallen. Das Kreuz ist immer noch ein wirbelndes Blatt, das sich durch die Marmorsäulen fräst. Die Freiheit, die Begegnung, die Einheit und der Frieden stehen nicht mehr stramm. Sie teilen sich und nehmen unterschiedliche Formen an. Alle können Freiheit, Begegnung, Einheit und Frieden nun in die eigenen Hände nehmen, alle können nun mit ihnen etwas anfangen, das nicht ein gusseisernes Kreuz flankieren muss. Um das aufgewirbelte Tatzenkreuz kümmern sich die Vögel: Sie nehmen es in ihre Mitte und ziehen von dannen damit.

Eine Hör-Version dieses Essays ist unter d. Link abrufbar:

www.aau.at/musil/aktuelles/ authormusil/ authormusil-2020-eva-schoerkhuber

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Buchbesprechung von Michael Graber

Wenige Wochen vor ihrem 125. Geburtstag ist der von Christine Zwingl herausgegebene Band über jene Spuren erschienen, die Margarete Schütte-Lihotzky in Wien hinterlassen hat. Nun gibt es zwar schon zahlreiche Publikationen von und über Schütte-Lihotzky, eine Biographie, ihre Erinnerungen aus dem Widerstand oder das Buch Wie ich Architektin wurde, ein Werkverzeichnis und wissenschaftliche Sammelbände über ihr Leben und Wirken. Was das neue Buch auszeichnet, ist die akribische Darstellung der Orte und Werke in der Stadt, in der sie lernte, studierte und in der sie sich den Großteil ihres Lebens nach Krieg und Befreiung aufhielt.

Das Buch versammelt Beiträge der jüngst verstorbenen Ulli Jenni (»Schütte-Lihotzkys Wohnungen in Wien«), von Bernadette Reinhold (»Zur Schul- und Studienzeit einer künftigen Architektin«), von Christine Zwingl (»Der große soziale Aufbruch« und »Weiterleben in Wien 1947 bis 2000«), von Elisabeth Holzinger (»Widerstand und Gefangenschaft«), von Bärbel Danneberg (»Nicht nur Küche«) sowie Renate Allmayer-Beck und Chiara Desbordes (»Reise in die Vergangenheit« mit einem Interview des ehemaligen Direktors des MAK Peter Noever). Ein Gespräch mit der Familie Stransky führt in das familiäre Umfeld Schütte-Lihotzkys ein.

Wie bekannt, litt die kommunistische Architektin, die sich neben der berühmt gewordenen »Frankfurter Küche« mit Wohnbauten im Roten Wien und Kindergärten in der Sowjetunion einen Namen gemacht hatte, unter dem Boykott der Gemeinde Wien in der Nachkriegszeit des Kalten Krieges, sodass in Wien aus dieser Zeit nur wenige öffentliche Bauten von ihr zu finden sind, darunter zwei Wohnhausanlagen im zweiten und dritten Bezirk und zwei Kindergärten im 11. und 20. Bezirk und der Sozialtrakt des Globus-Hauses der KPÖ am Höchstädtplatz. Alle Bauten Schütte-Lihotzkys in Wien stehen inzwischen unter Denkmalschutz.

In einem Stadtplan sind alle Bezugspunkte, die an ihr Leben erinnern, eingezeichnet: Bauten, Wohnungen, Orte ihres architektonischen und politischen Wirkens. Erfreulich ist, dass es darüber hinaus auch zahlreiche Erinnerungsorte gibt, die im Buch aufgelistet sind: Das MAK, wo sie in der Dauerausstellung vertreten ist und ihr Nachlass aufbewahrt wird und Orte, die Schütte-Lihotzkys Namen tragen, so die ehemalige Frauen-Werk-Stadt in Floridsdorf, ein Park in Margareten, ein Hörsaal in der TU Wien, ein Weg beim Kindergarten in Simmering; und nicht zu vergessen: das Ehrengrab am Zentralfriedhof.

Der Schütte-Lihotzky-Raum, der seit 2014 in der Frauenhetz im 3. Bezirk bestand, wurde zugunsten der langjährigen Wohnung in der Franzensgasse in Margareten aufgegeben, die ebenfalls unter Denkmalschutz steht und öffentlich zugänglich gemacht wurde. Eine Zeittafel über das Leben, eine Liste der Ehrungen Schütte-Lihotzkys, eine Auswahlbibliographie und zahlreiche Fotos ergänzen das sorgsam zusammengestellte, informative Buch.

Christine Zwingl (Hg.): Margarete Schütte-Lihotzky. Spuren in Wien. Wien: Promedia Verlag 2021, 199 Seiten, 23 Euro.

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