Grundeinkommensprojekt braucht Unterstützung Volksstimme Redaktion Orig. Foto: Generation Grundeinkommen CC BY 2.0 / flickr
13 Februar

Grundeinkommensprojekt braucht Unterstützung

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Seit April 2017 läuft in Heidenreichstein im Oberen Waldviertel das Projekt »Sinnvoll tätig sein« (STS), das jenseits gängiger Disziplinierungsmuster versucht, über 40 Langzeitarbeitslosen Perspektiven zu eröffnen, die sich doch von obligaten Anforderungen und Erwartungshaltungen unterscheiden. Geleitet wird dieses Projekt (siehe Infofolder), das offiziell als AMS-Kurs firmiert, von Karl Immervoll und der Betriebsseelsorge Oberes Waldviertel, die mit ähnlichen (wenn auch kleineren) Initiativen schon einschlägige Erfahrungen gemacht haben. Arbeitslose sollen nicht als Fälle oder gar Problemfälle wahrgenommenen werden, sondern als Menschen. Natürlich geht es auch um Arbeit und Arbeitsplatz, aber konzentriert geht es um die Personen selbst. Nicht »Was sollen wir?« ist die entscheidende Frage, sondern »Was wollen wir? Was will ich?«.

Nicht »Was sollen wir?« ist die entscheidende Frage, sondern »Was wollen wir? Was will ich?«.

In einem ersten Zwischenbericht heißt es: »Die Befreiung von Ängsten und Druck ist ein Prozess. Trotzdem: 18 Monate von den Vorgängen rund um die Arbeitssuche befreit zu sein, Zeit zu haben, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Für manche bedeutet das, zum ersten Mal in ihrem Leben sich die Frage zu stellen: Was ist mein Weg? Generell ist das für alle eine neue Lebenssituation. Die Frage, was denn jetzt wirklich zu tun ist, verunsichert. Denn es stellt den Arbeitsbegriff auf den Kopf: Arbeit war bisher etwas, was jemand aus einem ökonomischen Interesse heraus von mir verlangt, und ich, indem ich es tue, dafür entlohnt werde. Nun heißt es: Entwickle deine Fähigkeiten und teile sie mit anderen, indem du sie in die Gesellschaft einbringst! Hier brauchst du dich nicht zu rechtfertigen. Es ist in Ordnung, so wie du bist. Dein Bemühen, dein Tun wird von uns keiner Wertung unterzogen. Hier bist du als Mensch geschätzt, und wir haben die Zeit zu schauen, was du brauchst, und machen uns gemeinsam auf den Weg. Wir nehmen uns Zeit und hören zu. Unser Gegenüber spürt und schätzt, dass sie/er für uns keine Nummer ist.«

So fungiert der Arbeitslosenbezug tatsächlich für eineinhalb Jahre ähnlich einem garantierten Grundeinkommen. An den finanziellen Begrenzungen für die Betroffenen ändert sich zwar nichts, was sich aber fundamental ändert, ist das restriktive Rundherum. Der Charme besteht darin, nicht ständig Angst haben zu müssen, dass die soziale Absicherung auszufallen droht. Das ist auch der Punkt, der von den TeilnehmerInnen am meisten geschätzt wird. Verbindlich erwartet werden lediglich Tagebücher über die Zeitverwendung, die wissenschaftlich ausgewertet werden sollen.

Vorgesehen ist auch eine begleitende Studie, in der die Ergebnisse dokumentiert und analysiert werden sollen. Trotz der beantragten und von einem Beirat gutgeheißenen Förderung wurde das von den zuständigen Stellen des Landes Niederösterreich abgedreht. Derlei brauche man nicht, so die stille Drohbotschaft. So bleibt den BetreiberInnen nur übrig, zumindest einen Teil der veranschlagten Forschungsgelder selbst aufzustellen. Diesbezüglich läuft bis Freitag, 16. Februar eine Crowdfunding-Initiative. Diesbezüglich läuft bis Freitag, 16. Februar eine Crowdfunding-Initiative. Wer kann und möchte, möge sich daran beteiligen.

Ausführliche Infos zum Projekt gibt es bei streifzuege.org.

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